Über kaum ein anderes Thema gibt es so viel Halbwissen und Mythen als im Bereich Ernährung.

Vitamine sind gesund, wir brauchen aufs Mikrogramm abgemessen bestimmte Nährstoffe und Spurenelemente, Vollkorn ist besser als Weißmehl, Eier, Butter und fettes Fleisch heben den Cholesterinspiegel, Rohkost ist besser als gekocht, jeden Tag brauchen wir Obst und außerdem muss unsere Ernährung möglichst abwechslungsreich sein. Die Sache ist nur die: Evolutionstechnisch gesehen ergibt das alles recht wenig Sinn.

Die Menschheit ist tausende von Jahre alt. Und keine Generation vor uns hat so mit Überfluss und Abwechslung zu kämpfen gehabt wie wir. Vor 100 Jahren kam kaum jemand in Bayern wöchentlich in den Genuss von Seefisch. Im Winter gab es einfach kein Obst, außer ein paar schrumpeligen Äpfeln. Rohe Nahrungsmittel hätte damals niemand freiwillig gegessen, der es sich leisten kann, seine Nahrung warm zu sich zu nehmen – schlichtweg, weil rohes schwerer verdaulich ist. Es gab auch keine Kokosnuss, keinen Ingwer, kein Kurkuma und keine Acai-Beeren. Niemand wusste etwas über eine ausreichende Versorgung mit Vitamin C, Magnesium, Calcium und Brom. Die Menschen haben gehungert, gefroren, waren einer Vielzahl von Bakterien und Schmutz ausgesetzt – und haben dennoch überlebt. Wissenschaftler haben nun vermutlich herausgefunden, was der Grund dafür ist – und was wohl wesentlich schwerer wiegt als eine gesunde, ausgewogene Ernährung, bei der alle Nährstoffe aufs Mikrogramm genau ausgerechnet sind.

Die Antwort lautet: Hormesis. Das Wort kommt aus dem griechischen und bedeutet Anstoß. Bekannt ist es vor allem von Pflanzen. Diese haben keine Beine und können vor Fressfeinden nicht flüchten. Um diese daher abzuwehren erzeugen sie einen bitteren Geschmack der dem Fressfeind sagt: Igitt, ungenießbar! In Maßen genossen haben diese Bitterstoffe einen direkten Effekt auf die Zellen. Wortwörtlich bekommen sie einen Anstoß. Der führt zu einem kleinen Stressanstieg, der durchaus gesund ist. Er stärkt die Widerstandskraft der Zellen. Genau das also, was wir heute versuchen mit Sauna, Sport und diversen Mittelchen zu provozieren. In Versuchen hat man herausgefunden, dass Ratten gesünder sind, wenn sie jeden zweiten Tag fasten müssen. Neben Ratten hat man auch Versuche an Männern durchgeführt. Die eine Gruppe trieb Sport, die andere trieb Sport und bekam Antioxidantien. Die Nur-Sport-Gruppe schnitt in Sachen verbesserte Gesundheitswerte besser ab, als die Antioxidantien-Gruppe. Es scheint also gute Gründe dafür zu geben, Bitterstoffe zu sich zu nehmen, Sport zu machen und zu fasten. Der positive Effekt, hervorgerufen durch leichten Stress, ist wesentlich gesünder für die Zellen. Und spinnt man den Hormesis-Gedanken ein wenig weiter, lässt sich die heilende Wirkung vieler Pflanzen und Arzneimittel klären – ganz ohne ihre Inhaltsstoffe bis ins kleinste chemische Detail zu kennen.

 


 

Hilfe zur Selbsthilfe: Unsere Quicktipps für Selbstanwender

 


Zögern Sie nicht uns zu kontaktieren!
Kontakt aufnehmen