Ich habe eben einen Artikel gelesen, der mich zum einen sehr berührt hat, zum anderen den Anstoß für diesen Beitrag hier gibt. Es geht dabei um eine Frau, die den Kontakt zu ihren Eltern abgebrochen hat. Die Gründe dafür lassen sich auf den ersten Blick nicht erkennen, schließlich ist man heute im Internet nicht mehr völlig anonym, vielleicht wollte sie es auch nicht genau definieren.

Was genau die Gründe waren, darum soll es hier auch gar nicht gehen. Es geht darum, wie stark sie selbst reflektieren konnte und wie sie trotz der Trauer in sich, die ein solcher Kontaktabbruch mit sich bringt, in der Lage ist, sich in die Lage ihrer Mutter zu versetzen. Einer Mutter, die wohl krank ist und an einer Persönlichkeitsstörung leidet. Sie sieht den Zusammenhang zwischen ihren Problemen und denen ihrer Mutter. Sie sieht, dass ihre Probleme aus den Taten und Nichttaten ihrer Mutter resultieren.

Und sie kommt zu dem Schluss, dass auch ihre Mutter so ist wie sie ist, weil bestimmte Erlebnisse in ihrer Kindheit sie zu der Frau gemacht haben, die sie heute ist. Und dass sie dadurch auch bestimmte Muster an ihre Tochter weitergegeben hat. Sie hatte nur ein gewisses Maß an mütterlicher Liebe zu geben, konnte ihr in gewissen Situationen nur bedingt eine Hilfe und Stütze sein und hat in anderen Situationen völlig versagt. Ein Satz aus diesem Artikel ist dabei besonders wichtig und hat mich inspiriert. Jemand mit einer schweren Kindheit macht häufig eine Therapie, deren Erfolg zum einen von der Therapieform, zum anderen aber auch vom Therapeuten abhängig ist. Ihr Therapeut sah ein altes Muster, das man transgenerationale Weitergabe nennt. Bei ihr vermutet er, dass es fünf Generationen zurückreicht.

Transgenerationale Weitergabe

Eine transgenerationale Weitergabe ist die unbewusste Weitergabe von Traumata. Beispiele dafür gibt es einige. Da sind zum Beispiel die Kinder der Nachkriegsgeneration. Haben die Eltern oder ein Elternteil den Holocaust überlebt hinterlässt das tiefe Spuren. Diese zeigen sich auch in ganz alltäglichen Situationen. Das kann eine plötzliche Panikattacke sein, überwältigende Schuldgefühle weil man selbst überlebt hat, der Rest der Familie aber nicht oder auch Schweigen, weil man niemanden in seiner Umgebung mit diesen schrecklichen Erlebnissen belasten möchten. Kinder haben sehr feine Antennen und spüren, dass etwas nicht in Ordnung ist. Und im Regelfall beziehen sie das Schweigen, die Angst und die Schuldgefühle auf sich. Sie denken, sie sind die Ursache des Problems. Man hört das heute oft noch von Kindern, wenn die Eltern sich scheiden lassen oder viel streiten, dass sie denken, sie wären Schuld daran.

Ein Kind, das in einem solchen Umfeld aufgewachsen ist, kann sehr unterschiedlich damit umgehen. Es kann beispielsweise die Mauer des Schweigens des Vaters übernehmen. Für den Vater war es eine Überlebensstrategie die erfolgreich war, also sollte sie für das Kind auch funktionieren. Die Angst der Mutter, die sich in manchen Momenten ihres Lebens plötzlich erinnert hat – an einschlagende Bomben, an das eingesperrt sein, an den Hunger – kann sich auch im Alltag des Kindes manifestieren, beispielsweise bei neuen, unbekannten Situationen. Das Kind hat all diese Erlebnisse zwar nicht selbst gehabt, integriert die Auswirkungen aber unbewusst in sein Leben – weil es nichts anderes gelernt hat. Werden keine neuen Strategien gelernt ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass diese Muster unbewusst wieder an die eigenen Kinder weitergegeben werden.

 


 

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