Jedes menschliche Leben beginnt im Mutterleib und oftmals endet es dort auch, bevor es richtig angefangen hat. Es wird davon ausgegangen, dass zwischen 30 und 80 Prozent aller Schwangerschaften als eine Mehrlingsschwangerschaft beginnen.

Davon kommen allerdings nur drei bis fünf Prozent als Zwillinge oder Mehrlinge auf die Welt. Das würde bedeuten, dass etwa jeder Dritte auf dieser Welt einen verlorenen Zwilling hat. Eine ziemlich stattliche Zahl.

In ihrem Buch „Der verlorene Zwilling“ erklärt Evelyne Steinemann das Phänomen des verlorenen Zwillings eindrücklich. Die Autorin arbeitet als Therapeutin in der Schweiz und stellt in ihrem Werk zahlreiche Fallbeispiele von Klienten vor. Die Auswirkungen auf deren Leben sind durch den vorgeburtlichen Tod eines Zwillings geprägt. Sie fühlen sich schuldig, leiden an Verlustängsten, sind extrem eifersüchtig, haben einen extremen Hunger nach Berührung und Nähe und haben immer das Gefühl nicht ganz zu sein.

Elvis Presley ist der wohl berühmteste Leidende. Bei der Geburt starb sein Zwillingsbruder und seine Villa hat er daher für seinen Bruder mit eingerichtet. Die Symptome können sehr vielfältig sein. Da gibt es die Einzelgänger die keinen in ihrer Nähe ertragen können da sie sich schuldig fühlen. Schuldig, dem anderen zu viel Platz genommen zu haben und so für seinen Tod mitverantwortlich zu sein. Weltreisende, die immer auf der Suche nach etwas – oder jemanden – zu sein scheinen. Andere leiden an Depressionen, fühlen sich kraft- und antriebslos da sie das Gefühl haben, nur die halbe Kraft zur Verfügung zu haben. Bei anderen machen sich die Symptome körperlich bemerkbar. Durch den Schock sind sie Schwerhörig oder sehen schlecht, haben eine verkrümmte Wirbelsäule oder leiden unter unerklärlichen Panikattacken. Und dann gibt es noch diejenigen, die eine Todessehnsucht verspüren, weil sie dem Anderen lieber heute als morgen nachfolgen wollen.

Das Buch „Der verlorene Zwilling“ ist folgendermaßen aufgebaut. Zuerst erklärt die Autorin die biologischen Zusammenhänge, auch im Hinblick auf die heutigen Fertilitätstechniken. Im nächsten Teil werden die Aspekte rund um den Verlust eines Zwillings – oder Mehrlings – aufgedeckt. Später kommen dann die Betroffenen selbst zu Wort und berichten von ihren Gedanken, Gefühlen und ihrer Art, mit dem Thema umzugehen. Auch auf das Thema der Therapie wird eingegangen und verschiedene Möglichkeiten werden vorgestellt. Alles in allem ein sehr lesenswertes Buch für alle, die sich für das Thema Allgemein interessieren oder vermuten – oder gar wissen – dass es zu Beginn ihres Lebens noch jemand anderen gab.

 


 

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