Kerngesund

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Der Darm und das Hirn


Darm und Hirn – das waren bisher nur zwei Teile unseres Körpers. Wir sind in einer Welt aufgewachsen, in der wir nicht nur dazu erzogen und angetrieben werden zu funktionieren, sondern in der man uns auch versucht glauben zu lassen, dass wir aus lauter Einzelteilen bestehen, die man getrennt voneinander betrachten – und behandeln muss.

Nicht umsonst gibt es schließlich Fachärzte, die sich wahlweise auf Herz, Hormonsystem, Hals-Nasen-Ohren, Augen oder Gynäkologie spezialisiert haben. Eine ganzheitliche Betrachtung wird lediglich von Naturheilkundlern praktiziert und diese werden dafür von der breiten Masse und der modernen Wissenschaft auch noch belächelt. Schließlich gibt es keine wissenschaftlichen Beweise für ihr Tun und Handeln. Doch die Wissenschaft kommt in den letzten Jahren immer mehr zu dem Schluss, dass wir eben mehr sind als die Summe unserer Einzelteile und viele Organe auf eine schier atemberaubende Art verbunden sind.

So gibt es inzwischen beispielsweise Hinweise darauf, dass Darm und Hirn sich beeinflussen. Unser Darm hat nicht nur die größte Oberfläche (nach neuesten Forschungen 30-40 qm) im menschlichen Körper, er ist auch noch mit Billionen von Bakterien besiedelt. Diese Bakterien haben zahlreiche Aufgaben, von denen man erst einen kleinen Bruchteil kennt. Sie tragen einen wesentlichen Teil zu unserer Gesundheit bei. Bisher ging man davon aus, dass es sich um etwa 800 verschiedene Arten von Bakterien handelt, inzwischen geht man von bis zu 36.000 aus. Man weiß inzwischen auch, dass Kinder, die per Kaiserschnitt auf die Welt kommen, ein erhöhtes Risiko haben, an Diabetes zu erkranken. Ihnen fehlen schlichtweg wichtige Bakterien, die nur in der Vaginalflora vorkommen. Im lymphatischen System des Darms werden außerdem etwa 80% unserer Immunzellen trainiert. Und weil es hier ja um Darm und Hirn gehen soll: Etwa 80% des Neurotransmitters Serotonin wird im Darm produziert. Fehlt Serotonin ist eine Depression häufig die Folge.


Wie Angst und Darmbakterien zusammenhängen

Dass es auch einen Zusammenhang zwischen Angst und Darmbakterien gibt, haben Forscher an Versuchen mit Mäusen festgestellt. Diese wurden keimfrei gehalten, was bedeutet, dass sie per Kaiserschnitt auf die Welt geholt wurden und anschließend in sterilen Isolatoren gehalten wurden. Die Luft wurde gefiltert und die Nahrung mit Dampf weitestgehend sterilisiert. Das Ergebnis war, dass die Mäuse sich in ihrer keimfreien Umgebung völlig angstfrei bewegten. In ihren Gehirnen zeigte sich diese Veränderung ebenfalls was einen direkten Zusammenhang zwischen Darm und Gehirn vermuten lässt. Interessanterweise änderte sich das Verhalten der Mäuse in einer anderen, normalen Umgebung nicht – wohl aber das ihrer Nachkommen. Die Experimente brachten noch andere Dinge zutage, beispielsweise wie sich Stress bei schwangeren Mäusen auf deren Nachkommen auswirkt und wie sich ängstliche Mäuse verhalten, wenn man sie mit Darmbakterien von Artgenossen füttert, die entdeckungsfreudig sind.

Die Vergangenheit hat zwar gezeigt, dass sich Versuche mit Mäusen in der Regel nicht 1:1 auf den Menschen übertragen lassen, dennoch bietet diese Forschung einen gänzlich neuen Ansatz. Interessant zu diesem Thema ist auch dieser Artikel, in dem Forscher herausgefunden haben, wie sich die Ernährung auf den menschlichen Darm auswirkt. Je nachdem, was wir essen, vermehren sich bestimmte Arten von Bakterien in unserem Darm. Das kann einen enormen Einfluss auf unsere psychische und physische Gesundheit haben. Interessant wird es jedoch erst, wenn sich zeigt, dass unsere Stimmung einen Einfluss auf unsere Artenvielfalt im Darm hat. Wie würde sich also beispielsweise eine Auflösung alter Muster und Blockaden auf unseren Darm auswirken und was hätte das wiederum für Folgen für unsere körperliche Gesundheit?